Wirkstoff, Einsatzgebiete und erhaeltliche Staerken

Wirkstoff: Quetiapin.

Hauptindikationen: Schizophrenie, bipolare Stoerung (manische und depressive Episoden) sowie als Zusatztherapie bei depressiven Stoerungen nach aerztlicher Anordnung.

Verfuegbare Staerken: 25 mg, 50 mg, 100 mg, 200 mg, 300 mg (als Filmtabletten; teils auch als Retardtabletten mit verzoegerter Freisetzung).

Mehr zu sicheren Einnahmebedingungen siehe Einnahme und Dosierung sowie Worauf waehrend der Therapie zu achten ist.

Vor Beginn: Was sollte der Arzt wissen?

Nennen Sie Ihrem Arzt bzw. Ihrer Aerztin vor Therapiebeginn alle relevanten Befunde, insbesondere:

  • Lebererkrankung
  • Suizidgedanken, -plaene oder entsprechende Vorkommnisse in der Familie
  • Schwierigkeiten beim Schlucken
  • Allergie gegen Quetiapin oder andere Bestandteile
  • Nierenerkrankung
  • Katarakt (Lins truebung)
  • Schilddruesenerkrankung
  • Diabetes oder Risiko fuer Diabetes
  • Parkinson-Krankheit
  • Niedriger Blutdruck oder Schwindel beim Aufstehen
  • Krampfanfalle/Epilepsie
  • Herzerkrankung
  • Frueherer Herzinfarkt
  • Gehirntumor oder vorangegangene Kopfverletzung
  • Veraenderungen des Blutbildes (z. B. niedrige weisse Blutkoerperchen, Thrombozyten oder Erythrozyten)
  • Brustkrebs
  • Schwangerschaft oder Kinderwunsch
  • Stillzeit

Einnahme und Dosierung

Quetiapin wird oral eingenommen und mit Wasser geschluckt. Die genaue Dosis richtet sich nach Diagnose, Formulierung (sofort freisetzend vs. Retard) und individueller Vertraeglichkeit. Folgen Sie unbedingt dem Etikett Ihrer Verordnung.

Allgemeine Hinweise:

  • Mit oder ohne Mahlzeit einnehmbar; bei empfindlichem Magen ggf. zu einer Mahlzeit.
  • Retardtabletten unzerkaut schlucken und nicht teilen oder zerkauen.
  • Regelmaessige Einnahmezeiten verbessern die Wirksamkeit. Brechen Sie die Therapie nicht eigenmaechtig ab, sondern reduzieren Sie die Dosis nur nach aerztlicher Ruecksprache schrittweise (siehe auch Warnhinweise).
  • Aeltere Patientinnen und Patienten ueber 65 Jahre benoetigen haeufig eine niedrigere Anfangsdosis.
  • Bei Kindern und Jugendlichen nur nach ausdruecklicher aerztlicher Empfehlung, da besondere Vorsicht erforderlich ist.

Vergessene Dosis und Ueberdosierung

Vergessene Dosis: Sobald Sie es bemerken nachholen, es sei denn, die naechste Einnahme steht in weniger als 4 Stunden an. In diesem Fall nur die naechste regulaere Dosis einnehmen. Keine Doppel- oder Extradosen.

Ueberdosierung: Bei Verdacht auf zu hohe Dosis sofort medizinische Hilfe rufen oder eine Giftinformationszentrale bzw. die Notaufnahme kontaktieren.

Wechselwirkungen

Nicht zusammen mit folgenden Arzneimitteln einnehmen:

  • Cisaprid
  • Thioridazin
  • Grepafloxacin
  • Pimozid
  • Halofantrin
  • Mesoridazin
  • Droperidol
  • Sparfloxacin
  • Chlorpromazin

Weitere moegliche Interaktionen umfassen:

  • Rifampicin
  • Antimykotika wie Ketoconazol, Itraconazol, Voriconazol oder Fluconazol
  • Antivirale Mittel gegen HIV/AIDS
  • Alkohol
  • Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital
  • Erythromycin
  • Cimetidin
  • Haloperidol
  • Lorazepam
  • Medikamente gegen Depression, Angst oder psychotische Stoerungen
  • Blutdrucksenker
  • Parkinson-Medikamente
  • Steroide wie Prednison oder Cortison
  • Diabetes-Medikamente

Diese Aufzaehlung ist nicht vollstaendig. Geben Sie Ihrer Aerztin bzw. Ihrem Arzt stets eine aktuelle Liste aller Medikamente, Heilpflanzen, Vitamine und frei erhaeltlichen Praeparate. Hinweise zum sicheren Alltag siehe Worauf waehrend der Therapie zu achten ist.

Worauf waehrend der Therapie zu achten ist

  • Regelmaessige Kontrolltermine vereinbaren; die volle Wirkung kann erst nach einigen Wochen eintreten.
  • Augenkontrollen koennen vor und waehrend der Behandlung im Abstand von etwa 6 Monaten empfohlen werden.
  • Nicht abrupt absetzen. Ein langsames Ausschleichen vermindert das Risiko von Symptomverschlechterungen.
  • Beobachten Sie Stimmung und Verhalten: Bei zunehmender Depression, Unruhe, Panik, Schlaflosigkeit, Reizbarkeit, Aggressivitaet oder Suizidgedanken umgehend aerztlichen Rat einholen, besonders zu Beginn der Therapie oder nach Dosiswechsel.
  • Schwindel und Schlaefrigkeit sind moeglich. Kein Autofahren oder Bedienen von Maschinen, bis Sie wissen, wie das Mittel auf Sie wirkt. Langsam aufstehen, um Ohnmachtsanfaelle zu vermeiden.
  • Alkohol meiden, da er Muedigkeit und Schwindel verstaerken kann.
  • Selbstmedikation bei Erkaeltung, Durchfall oder Allergien nur nach Ruecksprache, da Inhaltsstoffe Nebenwirkungen verstaerken koennen.

Weitere Details zu moeglichen Beschwerden finden Sie unter Nebenwirkungen.

Moegliche Nebenwirkungen

Ernste Nebenwirkungen - sofort aerztlich melden:

  • Suizidgedanken oder andere starke Stimmungsschwankungen
  • Fieber, Schuettelfrost, Halsschmerzen
  • Allergische Reaktionen wie Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht, Schwellungen im Gesicht, an Lippen oder Zunge
  • Schneller oder unregelmaessiger Herzschlag
  • Steife Muskeln
  • Krampfanfalle
  • Probleme mit Gleichgewicht, Sprache oder Gehen
  • Unkontrollierbare Bewegungen von Kopf, Mund, Nacken, Armen oder Beinen
  • Ausgepraegte Schwäche oder starke Muedigkeit
  • Schluckbeschwerden
  • Vermehrter Durst oder Hunger
  • Haeufiges Wasserlassen

Haefigere, meist milde Nebenwirkungen:

  • Gewichtszunahme
  • Verstopfung
  • Mundtrockenheit
  • Schlaefrigkeit oder Schwindel
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Veraenderung der sexuellen Lust oder Leistungsfaehigkeit

Bei anhaltenden oder belastenden Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Praxis. Beachten Sie zusaetzlich die allgemeinen Hinweise unter Worauf waehrend der Therapie zu achten ist.

Aufbewahrung

Arzneimittel fuer Kinder unzugaenglich aufbewahren.

Bei Raumtemperatur lagern, vorzugsweise zwischen 15 und 30 Grad C. Nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr verwenden und entsprechend den lokalen Vorgaben entsorgen.

Alternative und aehnliche Medikamente

Abhaengig von Diagnose, Begleiterkrankungen und Nebenwirkungsprofil koennen folgende Wirkstoffe als Alternativen zu Quetiapin in Betracht kommen:

  • Aripiprazol (z. B. Abilify): Weniger sedierend und oft neutraler beim Gewicht, kann aber Unruhe verursachen.
  • Olanzapin (z. B. Zyprexa): Stark wirksam, jedoch erhoehtes Risiko fuer Gewichtszunahme und Stoffwechselveraenderungen.
  • Risperidon (z. B. Risperdal): Wirksam bei Positivsymptomen, moegliche extrapyramidale Nebenwirkungen in hoeheren Dosen.
  • Ziprasidon (z. B. Geodon): Potenziell guenstig beim Gewicht, Einnahme mit Mahlzeit erforderlich, QT-Verlaengerung moeglich.
  • Lurasidon (z. B. Latuda): Gutes metabolisches Profil, Einnahme mit Nahrung empfohlen.
  • Clozapin (z. B. Leponex): Besonders bei therapieresistenter Schizophrenie, erfordert engmaschige Blutbildkontrollen.
  • Haloperidol: Aelteres Neuroleptikum, hoehere Gefahr motorischer Nebenwirkungen, dafuer teils guenstig im Preis.

Die Auswahl erfolgt individuell. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam ueber Ziele, Vorerfahrungen und Verträglichkeit. Preisliche Aspekte finden Sie unter Ungefaehre Preise.

Ungefaehre Preise in Deutschland (EUR)

Hinweis: Dies sind grobe Spannbreiten fuer Apothekenabgabepreise; tatsaechliche Kosten haengen von Hersteller, Packungsgroesse, Rabattvertraegen und Rezeptart ab. Bei gesetzlich Versicherten fallen meist nur Zuzahlungen an (typisch 5 bis 10 EUR, ggf. Befreiung).

  • Quetiapin Generika 25 mg, ca. 50 bis 100 Tabletten: etwa 10 bis 25 EUR
  • Quetiapin Generika 100 mg, ca. 100 Tabletten: etwa 15 bis 40 EUR
  • Seroquel Original 100 mg, ca. 100 Tabletten: etwa 80 bis 150 EUR
  • Seroquel Retard (XR), je nach Staerke und Packung: grob 70 bis 200 EUR
  • Alternativen:
    • Risperidon Generika: 5 bis 25 EUR
    • Olanzapin Generika: 10 bis 40 EUR
    • Aripiprazol: 20 bis 80 EUR (Generika), Original teurer

Privatversicherte bzw. Selbstzahler tragen den vollen Preis. Fuer GKV-Versichte gelten Festbetraege und gesetzliche Zuzahlungen. Fragen Sie Ihre Apotheke nach konkreten Preisen und vertraglichen Erstattungen.

Rechtliche Hinweise in Deutschland

  • Verschreibungspflicht: Quetiapin/Seroquel ist verschreibungspflichtig nach AMVV. Kein Btm-Rezept erforderlich.
  • Erwerb: Abgabe nur in Apotheken. Beim Online-Kauf auf das EU-Sicherheitslogo und eine in Deutschland registrierte Versandapotheke achten.
  • Erstattung: Bei gesetzlich Versicherten grundsaetzlich erstattungsfaehig im Rahmen der gueltigen Indikationen und Festbetraege. Zuzahlung i. d. R. 5 bis 10 EUR pro Packung.
  • Fahren im Strassenverkehr: Vorsicht wegen moeglicher Schlaefrigkeit oder Schwindel. Fuehrerscheinrechtlich gilt die individuelle Fahrtuechtigkeit; im Zweifel nicht fahren.
  • Reisen und Einfuhr: Fuer den persoenlichen Bedarf in ueblichen Mengen zulaessig; fuehren Sie bei Auslandsreisen die aerztliche Verordnung mit. Quetiapin ist kein Betäubungsmittel.
  • Pharmakovigilanz: Nebenwirkungen koennen an die Arztpraxis, Apotheke oder direkt an das Bundesinstitut fuer Arzneimittel und Medizinprodukte gemeldet werden.

Allgemeine Anwendungshinweise stehen unter Einnahme und Dosierung sowie Sicherheitshinweise unter Worauf waehrend der Therapie zu achten ist.